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Wir sind uns nicht sehr nah

Wir hatten von September bis jetzt eine sehr dichte Zeit, und sowohl Nicola als auch ich arbeiteten meist 6Tage die Woche. Dadurch haben wir zwar viel Zeit miteinander verbracht, diese war jedoch mit Besprechungen, Vor- und Nachbereitung von Seminaren, Marketing und Planungen gefüllt. Abends war ich dann häufig zu müde, um noch gemeinsam mit Nicola die Zeit zu genießen, sondern habe mich zurückgezogen und ein Buch gelesen.


Kürzlich sagte Nicola zu mir: „Wir sind uns in letzter Zeit nicht sehr nahe!“ Dies habe ich zuerst als Vorwurf verstanden und begonnen, mich zu rechtfertigen, indem ich ihr erklärt habe, dass das bei dem momentanen Arbeitspensum einfach so ist, dass sich das wieder geben wird, und dass sie zu hohe Ansprüche hat.


Das hat anfangs dazu geführt, dass Nicola gekränkt war, und wir uns noch weiter voneinander entfernt haben. Glücklicherweise konnte ich die Notbremse ziehen. Ich atmete ein paarmal durch und erinnerte mich daran, dass ich nicht schuld an Nicolas Traurigkeit war. Nicola war vermutlich traurig, weil sie sich nach Nähe sehnte. Und ich sehnte mich genauso nach Nähe, auch wenn ich am Abend oft zu müde war, um aktiv dafür zu sorgen.


Ich begann also: „Schatz, es tut mir leid, dass ich vorhin nicht in der Lage war, zu verstehen, dass du dich nach Nähe sehnst. Ich sehne mich auch nach Nähe. Wie geht es dir damit?“


Nicola antwortete: „Es tut mir gut, zu hören, dass du dich auch nach Nähe sehnst, so wie ich, da bin ich erleichtert. Ich bin nicht böse deshalb, ich bin traurig, weil ich unsere gemeinsame Zeit einfach auch genießen will. Können wir überlegen, wie wir gemeinsam Dinge tun können, um Nähe zu schaffen? Dabei möchte ich was finden, das für uns beide passt, ich weiß, dass du auch oft Zeit für dich brauchst.“


Daraufhin sagte ich ganz berührt: „Ich bin voll froh, für mich bedeutet das, in meinem Bemühen gesehen werden, eine gute Balance zwischen Zeit für mich und gemeinsamer Zeit zu finden. Was hältst du davon, wenn wir bis Weihachten fix jede Woche zwei gemeinsame Freizeitaktivitäten einplanen?“


Wir redeten noch entspannt weiter, ich fand für mich genug Abende, an denen ich lesen konnte, und wir haben im Kalender fix eingeplante gemeinsame Unternehmungen eingeplant.


Wie schwierig wäre das geworden, wenn wir mit dem „Wer ist schuld“-Spiel weitergemacht hätten.


Ich hoffe, die Geschichte ist für dich als LeserIn ermutigend, immer öfter die Schuld loszulassen, und einfach zuzuhören, wonach sich der Partner sehnt.

Ich freue mich natürlich sehr über Rückmeldungen.


Thomas

P.S. Inzwischen sind wir sind uns wieder viel näher 😃


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