top of page
Sprache als Schlüssel zum Miteinander

Lieber "Work-Rest" als "Work-Life" Balance

Im Zuge meiner Begleitung von Menschen werde ich häufig mit dem Ausdruck "Work-life-Balance" konfrontiert. Da denke ich an meine Situation als Selbständiger, ich höre auch oft: „Als Selbständiger bist du selbst und ständig“.

Für mich klingt „Work-life-Balance“ so, als stünden Arbeit und Leben in einem Gegeneinander, wie wenn Arbeit etwas Negatives wäre, das ich kontrollieren oder minimieren muss, um „wirklich zu leben“. Ich empfinde Arbeit als Teil meines Lebens – nicht als dessen Gegenteil. Ich bevorzuge die Formulierung „Work-Rest-Balance“. Sie erinnert mich daran, dass ich nicht nur arbeite, sondern auch ruhe – und dass beides zusammen mein Leben ausmacht.

 

Wenn ich höre, wie oft „Work-Life-Balance“ als Ideal genannt wird, stimmt mich das nachdenklich. Ich verstehe das Bedürfnis nach Entlastung und Selbstbestimmung. Gleichzeitig merke ich, dass die Frage „Wie balanciere ich Arbeit und Leben?“ für mich nicht hilfreich ist. Ich brauche einen anderen Fokus: Wie gestalte ich einen Rhythmus, der Arbeit und Erholung einschließt? Denn ich erlebe nicht nur berufliche Überlastung, sondern auch Erschöpfung durch private "Verpflichtungen". Wenn „Leben“ nur eine andere To-do-Liste ist, fühle ich mich gefangen in einem endlosen Tun.

 

Ich wünsche mir Selbstfürsorge, und ich erkenne: Erholung ist kein Luxus. Sie ist für mich eine Grundlage für Kreativität, Mitgefühl und kluge Entscheidungen. Wenn ich ausgeruht bin, fühle ich mich lebendig und verbunden. Wenn ich erschöpft bin, werde ich hart und ungeduldig – mit mir und anderen. Ruhe hat viele Formen. Die Autorin Dr. Saundra Dalton-Smith beschreibt sieben Arten: körperliche, geistige, emotionale, sensorische, soziale, kreative und spirituelle Ruhe. Als ich das las, spürte ich ein inneres Seufzen, weil das für mich stimmig ist.

 

Es gibt Zeiten, in denen ich acht Stunden schlafe und trotzdem müde bin. Dann fehlt mir emotionale und kreative Erholung. Ich brauche Räume, in denen ich nichts leisten muss, und Momente, in denen ich Schönheit und Stille erleben kann. Zwei Mal war bereits ich auf einem Vipassana-Kurs, wo 10 Tage geschwiegen und meditiert wurde. Anfangs fühlte ich große Unruhe – mein Geist war an ständiges Tun gewöhnt. Mit der Zeit kam jedoch innerer Friede. Die Stille war wie Balsam für meine Seele. Ich erkannte: Ruhe ist kein Umweg, sondern ein Weg zurück zu mir.

 

Arbeit ist für mich Lebendigkeit, ich möchte lieber sagen „Mein Tag ist erfüllt von Leben“ statt dass ich „beschäftigt“ bin. Ich wünsche mir eine Kultur, die Ruhe nicht als Schwäche, sondern als Stärke sieht und möchte aufhören, Geschäftigkeit als Ideal hinzustellen. Wenn mich jemand fragt: „Wie geht es dir?“, will ich über meine Gefühle sprechen – nicht nur über meine Leistung. Ich möchte eine Gesellschaft, die Erholung fördert. Nicht "Freizeit-Stress" sondern echte Pausen, digitale Grenzen und Räume für Kreativität. Und ich will bewusst vorleben, dass Auszeiten erlaubt sind. Denn ich weiß: Ausgeruhte Menschen sind klarer, freundlicher und kreativer.

 

Wir arbeiten, wir ruhen, wir leben – für mich gehört das alles zusammen. Wie schön wäre es, wenn wir Ruhe nicht als Belohnung für Arbeit sehen könnten, sondern - wie diese - als Teil des Lebens. Wenn wir das anerkennen, schaffen wir eine Zukunft, in der Menschen nicht ausbrennen, sondern aufblühen. Ich lade uns ein, die Sprache zu ändern: Weg von „Work-Life-Balance“, hin zu „Work-Rest-Balance in Life“. Denn ich will nicht im Widerstand leben, sondern im Rhythmus – mit mir, mit anderen und mit dem Leben.

 

Wie geht es dir damit liebe Leserin, lieber Leser, ich freue mich über Rückmeldungen 

Thomas

Work-Rest-Balance in Life
Work-Rest-Balance in Life

Kommentare


bottom of page