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Was bringt mir das?

Kürzlich haben wir uns im Training mit dem Umgang mit Ärger beschäftigt.

Daraufhin wurde ich gefragt: Was bringt es mir, wenn ich meinen Ärger umwandle?

Die Beschäftigung mit dieser Frage hat mich zu dieser Friedisch Geschichte inspiriert.


Erstens finde ich diese Frage sehr wichtig, da wir nichts ausschließlich für andere zu tun brauchen. Um unsere Entscheidungen also selbstbestimmt und selbstverantwortlich treffen zu können, finde ich es bedeutungsvoll, bei allem was wir tun „sollten“, zu erkennen, was uns das bringt. Hier kommt für mich das „Erwachsen sein“ ins Spiel.


Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind, Jugendlicher und auch noch lange als „Erwachsener“ zwar gewusst habe, was ich will und was ich nicht will, aber dies auf einer sehr oberflächlichen Basis. Wenn mir meine dahinter liegenden Bedürfnisse überhaupt klar waren, dann nur die, die in diesem Augenblick eine Rolle gespielt haben. Dadurch habe ich sehr häufig mit meinen gewählten Handlungen (Strategien) andere wichtige Bedürfnisse ignoriert, was auch nur eine kurzfristige Zufriedenheit brachte.


Ein sehr einfaches Beispiel dazu: Sie sehen einen neuen Fernseher, der viel größer ist, als Ihr alter und auch ein klareres Bild hat. Überdies ist er im Angebot und kostet sogar noch weniger, als Ihr alter Fernseher. Sie sagen sich: „Dieses Schnäppchen gönne ich mir“ und kaufen kurzerhand den Fernseher. Sie stellen ihn zuhause auf, er passt perfekt, den alten Fernseher stellen Sie auf den Dachboden, vielleicht braucht ihn ja einmal jemand ….


Ein paar Tage freuen sie sich sehr an dem neuen Fernseher, aber rasch ist er nichts Besonderes mehr. Eine Woche später wird eine Reparatur am Auto fällig, die genau den Betrag kostet, den Sie für den Fernseher ausgegeben haben, und Sie denken sich: „Verflixt, hätte ich doch meinen alten Fernseher behalten, dann wäre jetzt das Geld für die Reparatur da. Das war es nicht wert!“ Sprich, Ihr Bedürfnis nach achtsamem Umgang mit Ihren Ressourcen blieb unbeachtet.


Das oben erwähnte „Erwachsen sein“ bedeutet für mich, dass ich mir auch meiner weiter entfernten Bedürfnisse bewusst bin, ich also weitsichtiger entscheide. Hier möchte ich nochmals zur Eingangsfrage zurück kommen: Was bringt es mir, wenn ich meinen Ärger umwandle und mein dahinter liegendes Bedürfnis und Gefühl erkenne?


Dazu wieder ein Beispiel. Wenn Nicola mich im Satz unterbricht, um zu antworten, und ich aber etwas anderes sagen wollte, löst das zuerst Ärger in mir aus. Wenn ich aus diesem Ärger heraus sofort antworte, kommt evtl. so etwas heraus wie: „Kannst du mich nicht ausreden lassen, so wie es jeder einigermaßen zivilisierte Mensch tun würde?!“

Diese Reaktion ist vielleicht kurzfristig befriedigend, aber sie lässt den Konflikt mit hoher Wahrscheinlichkeit eskalieren, und ich bekomme sicher nicht das, was ich mir wünsche. Tja - was wünsche ich mir denn?


Wenn ich mir Zeit nehme, meine Bedürfnisse zu erkennen, finde ich: Ernst genommen werden, Respekt, gehört werden. Wenn ich daran denke, dass ich etwas mit Nicola teilen wollte, was ich bedeutsam finde, und ich wollte ihre Meinung dazu hören, merke ich, dass ich mir auch Austausch und Nähe wünsche. Wenn ich diese Bedürfnisse erkennen kann, bin ich unglücklich und frustriert, da sie im Augenblick unerfüllt sind. Aber ich kann mir überlegen, was ich tun kann, um sie zu erfüllen. Zu Nicola zu sagen: „Kannst du mich nicht ausreden lassen, so wie es jeder einigermaßen zivilisierte Mensch tun würde?“ ist als Idee dafür gänzlich ungeeignet.


Ich kann jetzt beispielsweise sagen: „Nicola, bitte warte kurz. Ich möchte mich austauschen und mich interessiert Deine Meinung dazu, jedoch möchte ich zuerst sichergehen, dass klar ist, was ich meine. Wärst Du bereit, mir kurz zu sagen, was Du von mir verstanden hast, und dann erst darauf antworten?“ Mit dieser Bitte würden sich für mich die obigen Bedürfnisse erfüllen, besonders, weil ich nicht nur gern hätte, dass andere sich daran halten, sondern weil ich sie auch selbst lebe.


Was bringt es mir also, wenn ich die Gefühle und Bedürfnisse hinter dem Ärger erkenne?

Es weitet sich der Raum, und ich erhöhe drastisch die Möglichkeiten, Ansätze zu finden, die meine Bedürfnisse berücksichtigen. Es geht also nicht darum, nett zu sein, oder freundlich oder rücksichtsvoll, sondern mich meinen Bedürfnissen und Werten entsprechend zu verhalten.

Falls die Geschichte hilfreich oder inspirierend für dich ist, würde ich mich über Rückmeldung freuen.

Thomas



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