• Thomas

Radikale Selbstakzeptanz

Vor ein paar Tagen habe ich mich mit einem Freund und Trainerkollegen unterhalten, da landeten wir beim Thema „radikale Selbstakzeptanz“. Er erzählte mir, dass er sich damit schon länger auseinandersetzt und schon einiges darüber gelesen hat. Dass es einfach auch darum geht, die Wirklichkeit anzunehmen, und damit auch uns selbst. Uns mit all unseren Gefühlen und Gedanken zu akzeptieren, und uns klarzumachen, dass diese einfach da sind und da sein dürfen.

Ich nahm sein Erzähltes interessiert auf und erzählte von meiner sehr persönlichen Erfahrung mit Selbstakzeptanz, da meinte er: „Das klingt sehr interessant, das könntest du verschriftlichen, dieser Prozess ist vielleicht auch für andere wertvoll.“ Diese Friedisch Geschichte ist der Versuch dazu.


Vielleicht zu meiner Geschichte: als Jüngster von neun Kindern habe ich oft erlebt, lästig und unerwünscht zu sein, was dazu geführt hat, dass ich mich selbst nicht akzeptieren konnte. Ich habe das kompensiert durch hohe Leistungsbereitschaft im Sport, zu Hause und im Beruf, und möchte auch feiern, dass mir dadurch viel Erfolg vergönnt war. Über diese Erfolge habe ich auch ein hohes Maß an Selbstzufriedenheit und Selbstbewusstsein erlangt. Gleichzeitig – und das war mir früher nicht bewusst – war dies relativ labil, und abwertende Rückmeldungen oder Misserfolge haben mir sehr zugesetzt, ich habe mich da immer wieder selbst sehr heruntergemacht.


Natürlich freue ich mich immer noch bei Rückmeldungen, die für mich Wertschätzung zum Ausdruck bringen, und bedauere, wenn ich Dinge getan habe, die ich im Nachhinein, beispielsweise nach einer Kritik, anders machen würde. Jedoch mache ich dies aus einer anderen, gelasseneren Haltung. und mein Blick auf mich selbst ist auch liebevoll, wenn mir gesagt wird, ich hätte Mist gebaut. Wenn es mir stimmig erscheint, fällt es mir leicht, mein Verhalten anzupassen, ohne dass ich mein vorheriges Verhalten als falsch verurteile.

Wie bin ich da hingekommen?

Das ist ein Prozess, der langsam, fast unmerklich, irgendwie nebenbei passiert, indem ich in der Selbstempathie wirklich bei mir bleibe, hier anhand eines Beispiels:

Ein Freund, der sich nicht mit Gewaltfreier Kommunikation beschäftigt, sagt zu mir: „Das war jetzt aber nicht gewaltfrei!“ Meine Antwort mit einem Lächeln war: „Tja, für mein Bedürfnis nach Humor verzichte ich ab und zu auf gewaltfreie Ausdrucksweise.“ Jetzt möchte ich aber nicht auf meine Antwort eingehen, sondern auf meinen Selbstempathieprozess.


1.) Ich sehe mir meine Urteile an und übersetze sie in Gefühle und Bedürfnisse: a) Urteile im Außen (ich habe beispielhaft eines davon ausgewählt): „Was faselt der da, hat überhaupt keine Ahnung, was GFK überhaupt bedeutet, aber mir erklären wollen“. ==> Oberflächlich bin ich sauer, ich wünsche mir Offenheit und bin gekränkt, möchte in meiner Kompetenz gesehen werden. Darunter fühle ich Trauer und auch Angst, weil ich angenommen sein möchte in meiner Authentizität. Ich bin auch erschöpft, wünsche mir Einfachheit und Unbeschwertheit b) Urteile im Innen (auch hier habe ich beispielhaft eines davon ausgewählt): „Ich muss auch immer eine blöde Meldung parat haben“ ==> Oberflächlich schäme ich mich, weil ich achtsam und feinfühlig sein möchte Darunter bin ich bedrückt, möchte Humor, Spaß und Leichtigkeit im Miteinander


2.) Ich lasse die Gefühle zu, spüre einfach nach, wie sie sich anfühlen, auch wie ich sie körperlich spüre: sauer – Schultern und Brust angespannt, gekränkt – Schwere, zieht mir den Kopf vorn runter, Trauer – Spannung im Gesicht und hinter den Augen, Angst – Spannung im ganzen Körper und Atmung gehemmt, erschöpft – Müdigkeit und Schwere im Oberkörper. Ich bewerte diese Gefühle nicht als schlecht, auch wenn sie nicht angenehm sind, sondern lasse sie einfach zu und anerkenne, dass sie mich auf meine Bedürfnisse hinweisen.


3.) Ich lasse meine Sehnsucht nach den Bedürfnissen zu, suche in Schichten nach den Bedürfnissen, die darunter liegen. Offenheit – meine Sehnsucht, dass wir Menschen uns unvoreingenommen begegnen in meiner Kompetenz gesehen werden – Zugewandtheit - meine Sehnsucht, Menschen mit liebevollem Blick zu betrachten angenommen sein in meiner Authen