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Anwesend sein

Ein wackeliger Zivilcourage-Versuch


Ich komme gerade von einem sehr bewegenden Radiointerview zum heutigen „TAG DER SPRACHE“ und gehe durch einen öffentlichen Park. Da sehe ich schon von weitem zwei Polizeibusse stehen und werde neugierig einerseits und unruhig andererseits. Leider ist es bei mir so, dass Polizeipräsenz eher unwohl-sein als sicher sein auslöst.

 

Ich sehe wie ein junger Mann um die Zwanzig an einen Baum gelehnt einer Leibesvisitation unterzogen wird. Ich höre im darauf zugehen zwei Menschen auf einer Bank sagen: „Das ist eine Frechheit! Fuck the police.“

 

Kurzerhand entscheide ich, näher zu gehen, einfach um ein Zeichen der Anteilnahme zu setzen. Als ich näherkomme, spricht mich eine der 3 Polizisten an.“ Kann ich helfen?“ Ich erwidere:“ Danke, nein, ich möchte einfach nur hier stehen, sonst nichts.“ Darauf sie: „Das ist eine Amtshandlung und da brauchen wir Sie hier nicht.“. Wieder ich: „Ich möchte einfach nur anwesend sein, das ist alles.“ Sie:“ Sie sind eh im Universum anwesend.“ Ich – zittrig und aufgewühlt – (sie womöglich auch …) :“ Ja, das stimmt – und – ich möchte auch hier anwesend sein. Was spricht dagegen?“ „Erklären Sie mir, was der Grund ist,“ meint sie darauf. Ich atme durch, sichtlich angespannt und meine:“ Wenn es Sie wirklich interessiert, dann erkläre ich Ihnen gerne, warum. Nur, ich bin nicht sicher, ob es Sie wirklich interessiert …“ 

Mittlerweile war die Leibesvisitation zu Ende und die beiden anderen Polizisten kamen dazu, und ich sagte:“ Ich glaube, es passt, wenn ich jetzt gehe“, woraufhin sie schnell meinte: “Ja, das ist eine gute Idee!“ Ich verabschiedete mich und ging und im Gehen gab es noch ein paar Blickwechsel mit anderen mittlerweile dazugekommenen Umstehenden.

 

Mein erster Gedanke im Weggehen ist „War ich hilfreich?“ – nächster Gedanke:“ Ich bin mir nicht sicher.“ In der anschließenden Analyse komme ich drauf, dass es mir um Ausgleich gegangen war, und auch um Anteilnahme. 3 Polizisten mit Uniform und Waffen und einem Polizeibus und ein junger Mann „ohne alles“. Hier wollte, ich, glaube ich, ein Zeichen setzen, dass ich hier ein Ungleichgewicht wahrnehme, was Macht betrifft und mich auf die „Seite des Schwächeren“ stellen. Beim nächsten Mal, so hoffe ich, kann ich gleich bei der ersten Frage so etwas sagen wie; „Wissen Sie, ich stelle mich hier her, um einen Ausgleich zu schaffen und Gleichgewicht herzustellen. Sie sind zu dritt in Uniform mit Waffen, der junge Mann ist allein. Können Sie das verstehen?

 

Was ich mir wünsche, ist, dass es mir gelingt, bis zum nächsten Mal einiges an Zuschreibungen Richtung Polizei, die in meinem Kopf existieren, verwandeln zu können, damit die „Energie“, mit der ich das sage, auch Freundlichkeit an Bord hat. Und damit ich im Anschluss auch in der Lage bin, falls es das braucht, und damit rechne ich, zuhören zu können. Sonst habe ich zwar vielleicht Stellung bezogen für den jungen Mann, jedoch die andere Seite nicht erreicht.

 

Ich freue mich über Austausch zu dieser Geschichte.

Nicola



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