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  • AutorenbildThomas

Der Brotrand

Aktualisiert: 8. Nov. 2023


Diese FRIEDISCH Begebenheit liegt schon viele Jahre zurück, gleichzeitig denke ich immer wieder daran, weil ich mit Florian oft Gespräche führe, wo ich begeistert bin, ob der Werte, die er im Leben vertritt:


Unser jüngerer Sohn Florian hatte mit zwölf begonnen, immer den Rand des Brotes wegzuschneiden, und ich habe den Brotrand dann meist gegessen. Aber an diesem Tag war ich schon satt und wollte den Brotrand nicht mehr essen.


Ich sagte zu Florian: „Ich habe eigentlich nie so richtig Lust gehabt, deinen Brotrand zu essen, aber ich habe es aus zwei Gründen immer getan:

Einerseits weil ich dich nie zwingen wollte, den Brotrand zu essen, mir ist da die Freiwilligkeit sehr wichtig. Andererseits denke ich oft daran, dass so viele Menschen auf der Welt hungern müssen, deshalb möchte ich gerne wertschätzend mit dem umgehen, was wir zu essen haben. Heute mag ich deinen Brotrand aber nicht essen, und wir werden ihn wegwerfen wenn du ihn nicht isst. Ich möchte deine Entscheidung akzeptieren, hätte nur gerne, dass du verstehst, warum das für mich ein Problem ist.“


Florian entgegnete etwas genervt: „Aber das ändert ja nichts, wenn ich das Brot ganz auf esse, müssen diese Menschen trotzdem hungern.“ Darauf ich: „Zipft dich das an, dass du das Brot auffressen solltest, obwohl das überhaupt keinen Sinn hat?“


Er: „Ja genau!“. Ich wieder: „Du hast recht, es ändert die Situation für die Hungernden nicht, deshalb möchte ich auch gar nicht unbedingt, dass du das Brot aufisst, sondern nur das du verstehst warum mich das Wegwerfen belastet."


Da sagte Flo: „Ja klar, es macht dich traurig dass viele Menschen hungern, da ist es für dich nicht o.k., wenn wir essen wegwerfen.“ Ich: „Vielen Dank, tut gut, so verstanden zu werden.“ Daraufhin ergab sich ein Gespräch mit Michael und Nicola, die auch am Tisch

saßen, und ich dachte ein paar Minuten nicht mehr daran.


Als ich mich wieder Florian zuwandte, aß er gerade den Brotrand und hatte ganz feuchte Augen. Da war ich aus ganz gerührt, ebenso Nicola. Ich fragte: „Weinst du, weil du glaubst, du musst den Brotrand essen?“ Florian sagte: „Nein, ich esse ihn, weil ich es eigentlich auch so sehe wie du.“


Das war ein Augenblick voller Verständnis und Liebe. Auch jetzt, wenn ich es lese, bin ich sehr berührt, speziell, da Florian im Jänner ein paar Monate nach Equador reisen wird.

Thomas



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