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Schwerarbeit - Vom Kraftakt, die Offenheit zu pflegen im Coronadiskurs

Ich erlebe es als große Herausforderung, wenn es um die Meinungen und Gespräche rund um Corona geht, (und darum geht es meiner Erfahrung nach derzeit sehr häufig), im achtsamen Gespräch zu bleiben, die Offenheit zu wahren, den Standpunkt des Anderen in Ruhe zu hören und dann kraftvoll dafür einzustehen, dass auch meine Seite gehört wird. Ich erlebe solche Zusammenkünfte, sei es auf der Straße zufällig, am Telefon beiläufig oder auch wenn es dafür eine geplante Zeit gibt, im Verwandtenkreis … als sehr spannungsgeladen – auch meinerseits.


Wie kann ich trotz Angst und großer Belastung aufgrund der für uns schwierigen Situation mit einer Art „Berufsverbot“ da sein und Neugier an der anderen Seite kultivieren? Und wie kann ich dabei dafür sorgen, dass ich mich nicht im Zuhören verliere und meine Seite verschweige? Kennst du das auch? Ich vermute es. Ich denke, dass wir alle auf die eine oder andere Art jetzt damit konfrontiert sind. Und ich denke, dass Diskussionen ohne Offenheit für die andere Seite eher zerstörerisch als konstruktiv wirken. Und ich halte den Dialog für unumgänglich, wenn wir Werte wie Augenhöhe, Respekt, Toleranz und gemeinsames Lernen hochhalten wollen.


Neulich waren Thomas und ich in einem emotionsgeladenen Gespräch zum Thema Impfen mit einem Arzt, den ich schätze. Vor ca. 3 Monaten waren unsere Sichtweisen ähnlicher Natur gewesen. Jetzt im Gespräch hörte ich beispielsweise: „Diese Freiheitsfanatiker sollen die Konsequenzen ihres Handels vollinhaltlich tragen!!“. Ich war schockiert, denn ich hatte ihn bisher als sachlich und besonnen erlebt im Austausch. Nachdem ich mich etwas gefangen hatte, meinte ich sinngemäß: „Diese Aussage, dass die Freiheitsfanatiker ihre Konsequenzen selbst tragen sollten, in der Heftigkeit, befremdet mich jetzt und ich frage mich, ob Ihnen bewusst ist, dass das nichts darüber aussagt, worum es wirklich geht. Und ich frage mich, ob Sie mir damit sagen wollen, dass Sie uns so sehen? Das würde ich gerne klar bekommen.“

Er meinte dann: „Nein, so war das nicht gemeint, wenn ich Sie hier getriggert habe, dann tut mir das leid. Und mir war gar nicht klar, dass ich das so gesagt habe.“ Ich bedankte mich und konnte dem Gespräch wieder entspannter folgen sowie auch seine Seite wieder mit mehr Offenheit hören. Auf der Heimreise tauschten Thomas und ich uns darüber aus, dass es uns imponiert hatte, dass er sich nicht auf seine Arztposition zurück gezogen hatte, sondern mit dem zu sich nehmen seiner Aussage auf Augenhöhe zurück gekehrt war. Wir waren dankbar für den Austausch, der wiederum einen neuen Nachdenkprozess in uns ausgelöst hatte.


Und als ich ihm dann eine E-Mail schrieb und mich bedankte dafür, dass wir gemeinsam einen Raum von Toleranz und Augenhöhe-Austausch geschafft hatten und wir uns auch für eine Geste seinerseits am Ende des Gesprächs bedankten, schrieb er uns zurück: „...So! jetzt haben Sie mich mit Ihren Zeilen noch zum Weinen gebracht! Das schafft selten wer! Danke dafür! Ihr macht das super - alles wird gut - wenn es nicht schon gut ist! Ich bin sicher! Danke, dass es euch gibt! Herzlichst „XY“, der sich nun auf den Heimweg mit einem warmen Herzen macht! 😉“


Hier konnten wir die „Kurve“ in Richtung Offenheit nehmen, in anderen Gesprächen, ist und war es nicht so leicht, weil der Moment der „Kurve“ (Ich bleibe im Kontakt, ich sage, was ich verstanden habe, ich unterbreche, um meine Wahrheit ehrlich und verletzlich zum Ausdruck zu bringen, nicht wissend, wohin das Gespräch führt…) immer wieder fordernd und doch so wichtig ist.


Kennst du das auch? Ich freu mich auf Austausch darüber. Nicola


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