• Thomas

Die befürchtete Antwort – „DIE SICH SELBST ERFÜLLENDE PROPHEZEIUNG“

Unsere Waschmaschine pumpte das Wasser nicht mehr ganz ab, deshalb ließen wir vor dem Schleudern den Rest des Abwassers durch den Ablassschlauch in den Abfluss laufen. Nicola war genervt, weil sie da gern mehr Einfachheit gehabt hätte. Ich war zwar auch nicht glücklich darüber, wollte jedoch zuerst eine Reparatur versuchen, weil ich mit Ressourcen sorgsam umgehen wollte, bisher hatte ich noch nicht die Gelegenheit zur Reparatur gefunden. Nicola hätte gern früher eine Lösung gehabt.

Kürzlich hatte Nicola den Schlauch so gelegt, dass ein Teil des Wassers nicht in den Abfluss gelaufen war, sondern sich vor der Waschmaschine am Boden verteilte. Ich wollte es Nicola sagen, war aber unsicher, da ich befürchtete, sie würde sofort damit antworten, dass wir eine neue Waschmaschine bräuchten. Darüber wollte ich mich aber im Augenblick nicht unterhalten. Schließlich dachte ich mir: „ich sage es jetzt einfach, vielleicht reagiert sie ja ganz anders.“

Nachdem ich so etwas gesagt hatte, wie: „Schatz, es ist nass rund um die Waschmaschine, könntest Du in Zukunft bitte den Ablassschlauch so in die Rinne legen, dass er ein Gefälle hat?“ kam zurück: „Jetzt reicht’s, wir brauchen eine Lösung für dieses Provisorium!“ Obwohl ich eigentlich mit dieser Antwort gerechnet hatte, vergaß ich augenblicklich all meine GFK-Kenntnisse und entgegnete: „Ich wusste genau, dass Du das sagen würdest.“ Nicola sah mich groß an und meinte nur: „Warum hast Du mich dann überhaupt gefragt, wenn Du eh schon genau gewusst hast, was ich sagen würde?“ Ich wieder unüberlegt: „Ich hatte einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass du nicht absolut beratungsresistent wärst, aber der ist nun endgültig weg.“

Ich vermute, wir hätten dieses Gespräch noch weiter eskalieren lassen, wenn Nicola nicht die Notbremse gezogen hätte, indem sie meinte: „Ich möchte auf diese Weise nicht weiterreden, bitte entschleunigen wir, indem wir reflektieren, was wir vom anderen hören, bevor wir reagieren.“ Das gab mir den nötigen Ruck, und ich schaffte es, meinen GFK-Schalter aus dem „Off“ in den „On“ Modus zu bringen. Ab diesem Zeitpunkt hat sich die Art unserer Auseinandersetzung drastisch verändert.

Ich fragte: „Bist du genervt wegen dem Waschmaschinenproblem, weil dir momentan eh alles zu viel ist und du eigentlich Entlastung brauchst?“ „Ja, und darüber hinaus möchte ich nicht in der Schublade „beratungsresistent“ abgelegt sein.“ antwortete Nicola. Ich versuchte, dies genauer zu verstehen mit einer Vermutung: „Du willst nicht in eine Schublade gesteckt werden …?“ Nicola: „Ja, und ich möchte einfach freundlich und liebevoll behandelt werden, auch wenn ich nicht perfekt funktioniere.“ „Du willst nicht funktionieren müssen, um geliebt zu werden?“

Während ich dies fragte, spürte ich bereits, dass mein Ärger durch Rührung abgelöst wurde. Als Nicola zustimmte, sagte ich: „Mir geht es ganz ähnlich wie dir, und das, was du dir fürs Miteinander wünscht, kann ich auch unterschreiben. Ich möchte auch, dass es möglichst einfach abgeht und bin genervt wegen der Waschmaschine. Gleichzeitig ist mir Nachhaltigkeit sehr wichtig, deshalb möchte ich nach anderen Lösungen suchen, als eine neue Waschmaschine zu  kaufen. Und ich bedaure, dass ich es bisher noch nicht geschafft habe, das Problem zu beheben. Bitte kannst du noch ein oder zwei Wochen das mit dem Ablaufschlauch machen, dann finden wir eine Lösung.“

Nicola machte ein leicht skeptisches Gesicht: „Okay, dann zeig mir, was du mit dem Gefälle genau meinst, und bitte kümmere dich rasch um das Problem.“ Ich versprach: "Spätestens Ende Oktober!" und zeigte Nicola, was ich mit dem Gefälle gemeint hatte. Der Konflikt war gelöst. (P.S. Inzwischen ist die Waschmaschine repariert und läuft einwandfrei)

Mein Lernfeld aus der Geschichte ist: Wenn ich das nächste Mal eine bestimmte Antwort befürchte, stelle ich trotzdem meine Bitte, bereite mich jedoch gleich darauf vor, der anderen Person Empathie entgegenzubringen für ihre Vorbehalte. Damit kann ich einerseits klar für mein Anliegen einstehen, und auch offen sein für die Belange des Anderen. Ich kann meine Befürchtung benützen, um mich auf die Gefühle und Bedürfnisse der anderen Person einzulassen, und dadurch sogar entspannter, weil vorbereitet, ins Gespräch gehen. Ich hoffe, dieser Tipp ist für manche Leser*innen hilfreich und ich würde mich über Rückmeldungen freuen. Thomas ­ ­


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Nicola und Thomas Abler

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