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Baumpatin – Graben überwunden dank GFK

Ich bin Baumpatin in unserem Ort. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Frauen, denen die Erhaltung alter Bäume und die Pflanzung vieler neuer Bäume ein Anliegen ist, habe ich ein wachsames Auge auf diese. Heute Morgen kam Florian und sagte „Mama, da unter uns schneiden sie gerade den großen alten Kastanienbaum um. Es ist schon zu spät. Er liegt schon.“ Ein Aufwallen von Schmerz und Ohnmacht überkam mich und von da an hörte ich das Motorsägengeräusch deutlich und laut. Und ich hielt einen Moment inne und trauerte um den Verlust von wertvollem Leben, das jeder alte Baum für mich darstellt. Für mich sind alte Bäume Majestäten des Lebens, Lebensraum, Lebensspender, Schattenspender – und eine Weide fürs Auge und noch vieles mehr.


Wir feierten heute den Geburtstag von unserem Michael, 25 Jahre alt, gemeinsam mit einem Frühstück, und die Baumsache rückte für eine Zeit in den Hintergrund. Als ich mich danach mit einem Kaffee auf die Terrasse setzte, hörte ich das Geräusch wieder und mein inneres Gedankenkarussell begann wieder verrückt zu spielen, wie eine Explosion schossen meine Gedanken in alle Richtungen und schwupp saß ich mittendrin in Wut und Zorn. Kurzerhand entschied ich: „Ich gehe da jetzt hinunter, ich halte das nicht aus!“ Ich machte mich auf den Weg. Gott sei Dank war da ein kurzes Wegstück dazwischen, das mir half, mich innerlich zu sortieren, vorzubereiten und mir meine angestrebte Haltung der Wertschätzung für alle Beteiligten vor Augen zu halten.


Ich kam hin, sah ein Auto mit der Aufschrift „Baumpfleger – ihr Spezialist für Spezialfälle“ und 3 Männer, die die Baumteile zerschnitten. Ich sagte: „Ich bin mir sicher, dass das, was Sie da machen, alles mit rechten Dingen zu geht und Sie einen klaren Auftrag dafür haben. Und, da mir alte Bäume so was Wertvolles sind, möchte ich Sie bitten, mir zu sagen, ob dieser Baum der Einzige ist, den Sie fällen oder ob die anderen auch noch geplant sind und was der Grund dafür ist. Könnten Sie mir das kurz sagen?“


Einer der Männer, der am Baumstumpf werkte, setzte seinen Gehörschutz ab und winkte mich heran. Er sagte: „Wir heißen nicht umsonst Baumpfleger. Wir sind auch für die Erhaltung. Nur dieser Baum hat einen Pilz, schauen Sie“, und er zeigte mir die schwarzen Stellen am Stumpf, „und er kann jederzeit umfallen, weil er innen schon durch und durch faul ist und deshalb haben wir hier empfohlen, ihn um zuschneiden.“ Mir fiel ein Stein vom Herzen. Ich hatte es hier mit Leuten zu tun, die meine Sichtweise verstanden und teilten. Ganz oft höre ich Anderes wie „die Bäume müssen weg, sie sind lästig, sie sind im Weg, sie sind zu alt und was habt ihr denn, wir pflanzen ja eh wieder welche …“ Er zeigte mir dann noch anhand einer Kartei, die er aus der Hosentasche zog, welcher Pilz es war mit welchen Auswirkungen.


Wir führten noch ein entspanntes und wechselseitig interessiertes Gespräch und die beiden anderen Männer lächelten mir während des Weiterarbeitens zu. Er fragte mich dann zum Abschluss noch einmal nach meiner „Funktion“ und ich erzählte ihm, dass ich die Aufgabe der Baumpatenschaft aus unserem Zukunfts-Agenda-21-Prozess geerbt hatte Ich bedankte mich, dass ich das hier als Sorgfalt erlebte und auch für die Information. Dann ging ich wieder.


Als ich um die Ecke bog, merkte ich große Entspannung, ein Stein fiel mir vom Herzen. Nicht nur, weil ich nun die Gründe kannte und auch wusste, dass die anderen Bäume stehen bleiben würden, sondern auch darüber, dass mir bzw. uns eine wertschätzende Begegnung gelungen war, die mir den ganzen restlichen Tag noch Freude bereitete. Als ich Thomas stolz und dankbar davon berichtete, meinte er lachend: „meine tollste Baumschützerin der Welt“ Tja, das tat mir auch gut, denn es hatte mich Überwindung und auch Selbstbeherrschung gekostet, diesen Graben, der augenblicklich mit meiner Wut entstanden war, zu überwinden und das Wohlwollen in den Vordergrund zu stellen.


Ich freu mich auf deine, eure Geschichten und Rückmeldungen.

Nicola



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